Stressregulierung in Zeiten des COVID-19

Wie du die Leistung deines Teams bei der Arbeit maximieren kannst

Von Dr. Victoria Söll
Psychologin und Doktor in Biosozial- und Gesundheitswissenschaften


 
 
In diesen Tagen sind wir ungewöhnlichen Umständen ausgesetzt. Wir haben es mit allgemeiner Unsicherheit und Angst zu tun. Ständige Beschäftigung mit emotionaler Verstimmung führt zu Stress. In einigen Fällen sogar zu akutem Stress. Gerade jetzt ist es sehr wichtig, uns selbst zu regulieren, um eine anhaltende Stressreaktion zu vermeiden, die unsere Gesundheit (insbesondere unser Immunsystem), unser psychisches Wohlbefinden und unsere Leistung stark beeinträchtigen können.

Der beste Weg, um vorwärts zu kommen, ist eine positive Perspektive. Selbst wenn sich die gegenwärtige Krise (mit sozialer Distanzierung, Angst um die Zukunft, Arbeitsplatz und sogar Essen) auf viele verschiedene Arten auswirkt, ist es nicht richtig zu behaupten, dass diese Krise dich belastet. Du belastest dich selbst. Du schaltest die emotionale Aufregung ein. Natürlich gibt es wichtige Faktoren wie individuelle Unterschiede, die eine wichtige Rolle bei der Stressreaktion spielen.
 
Sich auf die Arbeit zu konzentrieren ist eine Copingstrategie, die vielen Menschen helfen kann. Es ist deutlich produktiver, sich auf die Arbeit zu konzentrieren und nicht auf die Lösung einer möglichen „makroökonomischen Katastrophe“. Dies impliziert Distanzierung. Allerdings nicht in dem Sinne, dass man sich keine Sorgen macht. Distanzierung impliziert Perspektive, d.h. Distanzierung vom Problem, um bewerten zu können wie man eine realistische Lösung finden kann.

Du hast in diesen Tagen wahrscheinlich erlebt, wie schwierig es sein kann, Menschen motiviert zu halten. Die Unsicherheit ist einfach zu groß. Home-Office ist eine komplexe Situation voller zusätzlicher potenzieller Stressfaktoren, die in vielen Fällen zu einer Zunahme des Konflikts zwischen Beruf und Familie führen kann. Die Ziele sind wahrscheinlich nicht mehr so einfach zu erreichen und die Geschäftsprozesse haben sich komplett geändert. Überdenke und passe die Ziele, Strategien und Visionen des Unternehmens an. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Anpassung alter Arbeitszeiterwartungen. Zum Beispiel ist ein Vollzeitjob im Büro nicht dasselbe wie ein Vollzeitjob in einem Haus voller Kinder. Achte darauf, dass du den Menschen keine zusätzlich negative emotionale Belastung auferlegst, indem du unflexibel bist.
 
Im Arbeitskontext gibt es viele Stresstheorien. Das Modell von Yerkes-Dodson kann uns hier helfen, das Verhältnis von Stress und Arbeitsleistung am besten zu verstehen. Es besagt, dass eine gute Leistung (d.h. die Person ist fokussiert, motiviert und an der Aufgabe beteiligt) durch bestimmte „optimale“ Niveaus der physiologischen Erregung gekennzeichnet ist. Studien haben gezeigt, dass in diesem Zustand der Produktivität und Kreativität nur die für die Aufgabe relevanten Gehirnbereiche in unserem Gehirn aktiviert werden. Im Gegensatz dazu konnte in Hyperarousal-Zuständen (d.h. akutem Stress und Burnout) eine ausgeprägte Aktivierung in emotionalen Bereichen des Gehirns (die für die Erfüllung der Aufgabe irrelevant sind) beobachtet werden. Wenn jemand abgelenkt, unverbindlich und gelangweilt ist, wurde wiederum eine Aktivierung in vielen Gehirnbereichen (nicht wichtig für die Arbeit) beobachtet.

Was sagt uns das über unser Gehirn und unsere Arbeitsleistung? Es unterstreicht die Bedeutung der Regulierung und Erholung des Körpers von Stress im Arbeitskontext und die große Rolle, die Emotionen spielen. Wie kann ein Unternehmen mit diesem Wissen und in diesen Zeiten diesen optimalen Zustand der Produktivität und Effizienz erreichen? In unserem gegenwärtigen Szenario könnte die Förderung des Trainings für Konzentration und physiologischer Entspannung effektiv sein (wie Achtsamkeit, Yoga, PMR, Atemtechniken usw. oder tatsächlich jede Aktivität, die den Geist wirklich von den negativen Gedanken und Sorgen fernhält). Ebenso kann es eine wirksame Intervention mit kurzfristigen Ergebnis sein.
 
Entspannungstechniken ermöglichen es Körper und Geist, sich zu entspannen und die Konzentrationsfähigkeit zu optimieren. Dies führt zu Konzentrationszuständen, die in einem größeren Gefühl von Kontrolle über sich selbst und seiner Gedanken münden. Dies ist nicht nur eine Annahme, da es eine Vielzahl wissenschaftlicher Beweise gibt, die es belegen. Wenn du für ein Team verantwortlich bist, ist es eine gute Idee, solche Tools und Bereiche aktiv zu fördern (diese Woche werden wir unserer Community einige Links über Instagram anbieten, die noch weitere Informationen geben).

Stelle außerdem sicher, dass du eine emotionale Unterstützung anbietest, z.B. Kontakt aufnimmst, wenn jemand überfordert ist. Gib den Menschen Aufgaben, die ihrem Können entsprechen (zu einfach ist zu langweilig, zu schwierig ist frustrierend). Beruhige dein Team in diesen Zeiten und reduziere die Atmosphäre von Angst und Furcht indem du selbst eine positive Einstellung zu Zusammenarbeit und Einsatz förderst.

 


Quellen

Bliese PD, Sonnentag S, Edwards JR. Stress and wellbeing at work: a century of empirical trends reflection theoretical and societal influences. Journal of Applied Pschology. 2017;102 (3):389-402.
Goleman D. The Brain and Emotional Intelligence: new insights. 2011. More than Sounds. Florence MA. ISBN 9781934441510
Stemmet L, Roger D, Kuntz J, Borrill J.Ruminating about the past or ruminating about the future - which has the bigger impact on health? An exploratory study. Current Psychology. 2018; 36, 10.1007/s12144-018-9781-2.
Yerkes RM, Dodson JD. The relation of strength of stimulus to rapidity of habit-formation. Journal of Comparative Neurology and Psychology. 1908;18(5):459–482. Reprinted by Classics in the History of Psychology. An internet resource. Christopher D. Green, York University, Toronto, Ontario



 

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